Auf dem temporär entmilitarisierten Gelände der Francesco Rossi Kaserne in Meran zeigt die meraner gruppe die “tenda militare”. In einem originalen, italienischen Militärzelt, wahrscheinlich einem Lazarettzelt, präsentiert das zehnköpfige Kollektiv eine Sitzungssituation und die Dokumentation der Ausstellung „transform II“ in der Spinnerei in Leipzig im Sommer 2007.
Die Gruppe weiß, dass Zusammenarbeit schwierig ist und dass dort wo einst für den Krieg gelernt und geprobt wurde, für die Zusammenarbeit Position gemacht werden muss. Das Zelt erörtert die Auseinandersetzungen im sozialen Geflecht, die Emotion des Gesprächs, des kreativen Austausches. Es zeigt deutlich die ambivalenten Charaktere der Protagonisten. Das Vierbindende ist elementarmenschlich: Essen und Trinken, an einem Tisch sitzen und miteinander sprechen. Manchmal bis alle müde sind.
Die Dokumentarfilm „meraner gruppe, transform II“ von Valentin Stimpfl und Jakob Dekas legt ein künstlerisches und soziales Experiment offen: zehn unterschiedliche Künstler machen sich zum Frieden Gedanken und versuchen durch Zeichensprache ihre Sichtweise gemeinsam, in einer mehrstündigen Performance, in einer kollektiven Arbeit zu integrieren. Sprachen überschneiden sich, befruchten sich, nehmen Abstand, sprechen von und gegeneinander. Am Ende steht ein Werk, fünfzig Meter lang, zum Teil kontrovers.
Die Künstler setzen sich wieder zusammen, diskutieren ihr vorgehen, sprechen über ihre Gefühle, Ansichten und ästhetischen Vorstellungen und treffen eine Entscheidung. Das Werk wird weiß übermalt, der endgültigen Befriedung freigegeben, ein aufgeklebtes Foto erinnert an den Urzustand und eine rote Linie stellt die Verbindung zwischen den Teilen her. Das Werk wird „trans-form for peace“ genannt.
Einzelteile des Werkes finden sich in der „tenda militare“, an einen Pflock gelehnt. Kunst wird zum Ding, sie wird zuhanden. Sie steht am Boden in einem Zelt, ohne Rahmen, ohne verpflichtender, bürgerlicher Aufschrift, bestehend aus Autor, Titel, Entstehungsjahr und Technik, welche soviel bedeutet wie „Achtung Kunst“. Die tenda militare will von menschlichem Reden, von Erfahrungen und von Perspektiven. „trans-form for peace“ ist ein Experiment und sucht nach Probanden, die es zu rekrutieren gilt. Die meraner gruppe leistet somit ihren (Militär)Dienst und kämpft für ihr Anliegen.
Ihre Waffen sind einfachstes Hausfrauen und Hausmänner Werkzeug: ein Kochtopf, Gemüse, Löffel, Teller, Salz, Gewürze und Rindsbrühe. Die meraner gruppe kocht die „meraner suppe“ und ladet zum gemeinschaftlichen Suppenevent, in welchem das Zusammenessen, die Kommunikation und das Teilen im Vordergrund stehen. Ort des Geschehnisses ist ein Zelt, ein von jemandem entführtes Militärzelt, auf einem Kasernenareal, welches von „modular-t.org“ für das Festival „(un)defined, temporary autonomous zone“, für 14 Tage dem italienischen Heer abgerungen und friedlich besetzt wurde.
F. Rossi Kaserne
Gampenstrasse 83
39012 Meran
22.08.-30.08.2008
täglich 16-23.00 Uhr
www.modular-t.org