PASS #2

Auf den Spuren der kleinen gemischten Gruppen

Einzelausstellung der meraner gruppe

Kuratiert von Aria Spinelli

 

“Zu den wichtigsten Dingen, die wir mit unserer Erfahrung gelernt haben gehört es, dass man sich gegenseitig kennen muss, miteinander redet, die Sprache der jeweils anderen Gemeinschaft versteht und spricht, sich gegenseitig einlädt und Gelegenheiten des gegenseitigen gemeinschaftlichen Miteinander fördert.“[1] So beschreibt Alexander Langer (1946-1995) die Südtiroler Identität. Der Aktivist, Journalist und Übersetzer Langer war Mitglied der Südtiroler Landesregierung und des Europaparlaments, sowie Gründungsmitglied der Italienischen Grünen. “Die kleinen gemischten Gruppen” haben die Fähigkeit “in sich die Gründe und die Sensibilität die verschiedenen Teile zusammenzuführen, zu verstehen und zu vermitteln, aber ohne einfach Flüchtlinge zu werden, die auf die andere Seite der Barriere springen.”[2]

Die Langerschen “kleinen gemischten Gruppen” konfrontieren sich in diesem Projekt mit der Sinnhaftigkeit und der Unsinnigkeit der Trennung. Die Einzelausstellung der meraner gruppe mit dem Titel “Auf den Spuren der kleinen gemischten Gruppen”, die im U-MAN Contemporary Art Space Project gezeigt wird bildet die zweite Etappe von PASS. Aus einer Zusammenarbeit des Künstlerkollektivs meraer gruppe mit dem Kulturverein U-MAN entstand das Kunstprojekt PASS welches das Thema der Grenze im Territorium der Region Trentinio-Südtirol bearbeitet. Gerade diese “Grenzregion” ist historisch von verschiedenen kulturellen und nationalen Einflüssen geprägt. Für beide Projektpartner wurde die Grenze zu einem Parcours, zu einer Herausforderung, zu einem gemeinsamen Raum und zu einem konstruierten Weg. Der Erste “Schritt” erfolgte mit Gastfreundschaft und geteilter künstlerischer Praxis: Beide Gruppen haben für die jeweils Andere eine Exkursion entworfen. Beide Wanderungen waren gedacht um die Italienische, sowie die Österreichisch-Ungarische Geschichte nachzuerleben mit der Intention noch heute vorfindbare Differenzen und Ähnlichkeiten auszumachen.

Die meraner gruppe hat die Gegend um den Monte Stivo erwandert, wo zwischen 1915 und 1918 erbitterte Kämpfe zwischen Italienischen und Österreichisch-Ungarischen Truppen stattgefunden haben. Anhand von Foto, Video und einer Installation erzählt die Ausstellung vom Austausch und der Neugierde während der Wanderung. Das Sicheinfühlen in den “Anderen” und die damit verbundene “Jagd nach Abenteuern” wenige Kilometer von zu Hause entfernt ist eine paradoxe Situation, die als mögliche Lesart des komplexen Territoriums verstanden wird. Als Erben Langers, als Kinder von Differenzen und Ähnlichkeiten, als Opfer einer Geschichte, die heute noch gewichtig ist, zeigen sich die KünstlerInnen, bzw. stellen sie sich selbst als “interkulturell” dar. Das Hindernis, welches sie sich selbst stellen ist die Grenze welche sie untersuchen, die während einer langen Wanderung am Berg immer wieder in kleinen Momenten der Mitteilung sich aufzulösen scheint.

Die Ausstellung wird von einer Serie von Zusammentreffen umrahmt, welche die aufgeworfenen Themen, wie die Geschichte des Monte Stivo, die Wanderung als ästhetische Praxis und das Erbe Alexander Langers vertiefen. Dank einer Zusammenarbeit mit UnDo.net sind die Treffen und Schritte des Projektes PASS auch in einem Online-Katalog einsehbar.

 


[1] Frei übersetzt nach: A. Langer Scritti sul Sudtirolo, tratto da “Intervento alla Radio, 11 marzo 1993” pg 267, edizioni Alpha&Beta Verlag, Merano 1996.

 

[2] Idem

 

U-MAN

Contemporary Art Space Project

17.11. - 25.11.2011

Via Giovan Battista Miori 4
Marano D'Isera (TN)

u_man_art@yahoo.it
333.4775319

Öffnungszeiten: Alle Tage 15.00 - 19.00